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    16.05.2018

Ethiker fordert neue ”Output-Orientierung“ und Verteidigung der Selbstbestimmung beim Datenschutz

Digitalisierung im Fokus des Jahresempfangs "Kirche und Recht"

DatenschutzUm den Datenschutz „für das Zeitalter von Big Data wetterfest zu machen“ hat sich der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, der Erlanger Theologe Peter Dabrock, für eine neue „Output-Orientierung“ ausgesprochen, im Gegensatz zum traditionellen Recht auf informative Selbstbestimmung. Angesichts der Technik, die „aus zahllosen Informationen kleinste Datenpunkte erzeugt, diese auf Muster durchsucht und daraus Prognosen für zukünftige Entwicklungen ableiten kann“, gelte es, „in einer konzertierten Aktion aller Kräfte der Gesellschaft die Selbstbestimmung des Einzelnen zu verteidigen oder sogar zurückzuerobern“. Die Digitalisierung stand im Mittelpunkt des diesjährigen Jahresempfangs der katholischen und der evangelischen Kirche für die Bundesgerichte, die Bundesanwaltschaft und die Rechtsanwaltschaft in Karlsruhe. Das Grußwort der Justiz sprach der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. Den Rahmen bildeten Beiträge des evangelischen Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) sowie des katholischen Erzbischofs Stephan Burger (Freiburg).

In seinem Vortrag „Die Würde des Menschen ist granularisierbar. Muss die Grundlage unseres Gemeinwesens neu gedacht werden?“ mahnte der Ethiker Dabrock an, rechtzeitig zu handeln. Es müsse verhindert werden, dass „die reale Ausübung von Freiheit und Selbstbestimmung sich so einengt, dass sich ernsthaft die Frage stellt, ob der Mensch hinreichend freiverantwortlich handeln und entscheiden kann“. Dabrock bezeichnete es als äußerst beunruhigend, dass dieser Prozess „auf leisen Sohlen daherkommt und sich in kleinen Schritten vollzieht, die man nicht merkt, bis es schließlich zu spät ist“.
Die „Grundidee einer zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit jenseits von Filterblasen und Echokammer“ müsse gewürdigt werden. Zugleich müsse „das Außerordentliche, das Abweichende, das Verletzliche als zentrale Momente von Individualität gefördert und gesellschaftlich hoch gehalten werden“, so Dabrock. Die Menschen dürften sich „nicht einschläfern lassen von Normalitätsvorstellungen, die uns große Internetplattformen aufzwängen“.

Die Kirche könne sich, so Dabrock, gleich mehrfach einbringen: Sie stelle eine Plattform bereit, die nicht auf Ökonomie setze, sondern die universale Botschaft des Heils lokal und global bezeuge. Mit ihrem Auftrag, Verletzlichkeit wahrzunehmen, Freiheit zu stärken, Pluralität zu würdigen, Inklusion zu befördern und „der Stadt Bestes zu suchen“, stehe sie der „Granularisierung der Menschenwürde“ entgegen.

der komplette Artikel bei ekiba.de

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