02.03.2016
 

Europäische Muslime: kritischer gegenüber Kopftuch bei Lehrerinnen als gegenüber Religionsunterricht

euroislamEURISLAM-Umfrage zur Einstellung zu religiösen Rechten für Christen und Muslime

Nicht nur christliche Einheimische in Europa sind im Durchschnitt kritischer gegenüber Kopftüchern für Lehrerinnen als gegen Religionsunterricht eingestellt, auch Muslime selbst sind es. Das zeigt eine von der Europäischen Kommission geförderte Studie (EURISLAM-Umfrage) in sechs europäischen Ländern. Die Studie ergab, dass die Befragten bei der Bewertung religiöser Rechte sehr differenziert urteilen. So wurde der staatliche Religionsunterricht für Muslime insgesamt positiver bewertet als das Kopftuch bei muslimischen Lehrerinnen. Religiöse Menschen traten sowohl für die Rechte der eigenen Gruppe als auch der anderer Gruppen ein. Die Studie von Professor Dr. Sarah Carol vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS), Professor Dr. Marc Helbling (Uni Bamberg, WZB Berlin) und Dr. Ines Michalowski (WZB Berlin) “A Struggle over Religious Rights? How Muslim Immigrants and Christian Natives View the Accommodation of Religion in Six European Countries” lässt sich in der Fachzeitschrift Social Forces, Volume 94, Issue 2, S.647-671 einsehen (http://sf.oxfordjournals.org/content/94/2/647).

Die Sozialwissenschaftler untersuchten die Einstellungen zu religiösen Rechten für Christen und Muslime in sechs europäischen Ländern: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Schweiz. Sie befragten mehr als 7,000 Menschen sowohl ohne Migrationshintergrund als auch mit jugoslawischem, türkischem, marokkanischem und pakistanischem Migrationshintergrund (EURISLAM-Umfrage) zu ihren Einstellungen gegenüber religiösen Symbolen bei LehrerInnen, wie zum Beispiel Kopftuch, oder christliche Symbole wie Kreuz und Habit sowie gegenüber dem Religionsunterricht für Christen und Muslime an staatlichen Schulen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Muslime religiöse Rechte für Christen und sich selbst in stärkerem Maße unterstützen als Menschen ohne Migrationshintergrund. Das heißt, dass religiöse Menschen sich mit anderen Religionen bei der Diskussion um religiöse Rechte soldarisieren. 

Die WissenschaftlerInnen konnten zeigen, dass es bei den Befragten keine Ablehnung religiöser Rechte per se gibt. Stattdessen findet eine differenziertere Bewertung von religiösen Symbolen bei Lehrerinnen und Religionsunterricht statt. Dabei wird die Kopfbedeckung für Lehrerinnen stärker abgelehnt als Religionsunterricht für Muslime. Nicht nur christliche Einheimische sind im Durchschnitt kritischer gegenüber Kopftüchern für Lehrerinnen eingestellt, auch Muslime selbst.

Die Befragung förderte auch ländertypische Besonderheiten zu Tage:

In den Niederlanden zeigte sich die höchste Akzeptanz für das Kopftuch bei Lehrerinnen. Im Durchschnitt findet der christliche und islamische Religionsunterricht bei Einheimischen die stärkste Unterstützung in Deutschland und Belgien, die niedrigste in Frankreich. Schweiz, Niederlande und Großbritannien liegen dazwischen. In Frankreich tut sich bei der Bewertung des Religionsunterrichtes an Schulen die größte Kluft in den Einstellungen zwischen der muslimischen Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft auf, was ein erhöhtes Konfliktpotential birgt. 


Quelle: Pressemeldung der Universität zu Köln

 


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