26.01.2005
Keine
allgemeine Hochschulreife ohne religiöse Bildung
Wer
andere verstehen will, brauche Klarheit darüber, wo er selbst zu Hause sei und was die eigene
Identität präge. Darauf hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seinem Vorwort zur EKD-Stellungnahme "Religion
und Allgemeine Hochschulreife" hingewiesen. Evangelischer Religionsunterricht
leiste einen unverwechselbaren Beitrag zur Werteerziehung und mache dialogfähig. "Das
Verstehen des Fremden und die Ausbildung einer eigenen Identität gehören
im evangelischen Religionsunterricht unaufhebbar zusammen."
Auch in einer sich verändernden gymnasialen Oberstufe
müsse der Religionsunterricht seinen Stellenwert behalten, betonte
Huber. Denn von Bildung und allgemeiner Hochschulreife könne nur
dann die Rede sein, wenn die Schule auch Bildungsinhalte zur Sprache
bringe, die Jugendliche und junge Erwachsene brauchen, um sich in
ihrer Welt orientieren und ethisch verantwortlich handeln zu können.
Die 20seitige DIN A 4-Broschüre, die von Fachleuten
der pädagogisch-theologischen Institute der Landeskirchen, des Comenius-Institutes
der EKD und der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder
und Jugend erarbeitet wurde, stellt fest, dass das deutsche Schulsystem
nach wie vor erhebliche Defizite aufweist. "Unterschiedliche Schwerpunktsetzungen
und teilweise gegensätzliche Tendenzen beeinträchtigen ein klares
Bild von den Bildungsaufgaben der gymnasialen Oberstufe und den Wegen
zu ihrer Erfüllung", so die Stellungnahme.
Das Bildungssystem müsse sich heute besonders im
Umgang mit Vielfalt bewähren. Das gelte gerade auch in kultureller
und religiöser Hinsicht. Es sei wichtig, dass Heranwachsende zu einer
geklärten kulturellen und religiös-weltanschaulichen Identität finden. "Dazu
leistet der Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe einen
unverzichtbaren Beitrag." Er vermittele eine sinn- und wertbezogene
Bildung, die Funktions- und Orientierungswissen integriert. Damit
liefere er den jungen Erwachsenen entscheidende Grundlagen sowohl
für ein wissenschaftliches Studium und für den Beruf als auch zur Übernahme
von Verantwortung für das eigene Leben und die Gestaltung eines demokratischen
und sozial gerechten Gemeinwesens.
Allerdings, so die Stellungnahme weiter, dürfe
es im Blick auf die aktuellen Veränderungen der Konstruktionsprinzipien
der gymnasialen Oberstufe und der Gewichtung der verschiedenen Fächer
nicht bei allgemeinen Einsichten bleiben. Dazu heißt es: "Die evangelische
Kirche fordert die verantwortliche Bildungspolitik auf, die Räume
für den Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe und in der
Abiturprüfung zu erhalten und zu eröffnen und das Fach in seiner
Gleichwertigkeit zu anderen Fächern hinsichtlich der Beleg-, Einbringungs-
und Abiturprüfungsfachauflagen nicht zurückzusetzen." Im Sinne eines
angemessenen, freiheitlichen Bildungsverständnisses brauche der Religionsunterricht
gerade auch in der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung eine
klare öffentliche Förderung. Die evangelische Kirche sei ihrerseits
bereit, auf allen Ebenen ihren Beitrag zur Stärkung des Faches zu
leisten und dadurch ihre Mitverantwortung für eine allgemeine und
zukunftsfähige Bildung aktiv wahrzunehmen.
Die Stellungnahme "Religion und Allgemeine Hochschulreife.
Bedeutung, Aufgabe und Situation des Religionsunterrichts in der
gymnasialen Oberstufe und im Abitur" kann als farbige Broschüre zum
Stückpreis von 0,50 Euro über das Kirchenamt der EKD bezogen werden
[Herrenhäuser Str. 12, 30419 Hannover, Telefon (0511) 2796-240, Telefax
(0511) 2796-277, e-mail: bildung@ekd.de].
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