20.05.2007
Standards für die Lehrerbildung - Ein Plädoyer von Christen in der Schule
Im
Oktober 2000 haben der Präsident der Kultusministerkonferenz und die Vorsitzenden der
Lehrerverbände ein Berufsbild für Lehrerinnen und Lehrer beschrieben, Anforderungen,
die als Standards der Lehrerbildung gelten sollen (KMK-Beschluss 16.12.2004). Die
in der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Erzieher e.V. (AEED) zusammengeschlossenen
evangelischen Lehrer- und Religionslehrervereinigungen möchten mit einigen
ergänzenden Konkretisierungen Aspekte benennen, die aus der Sicht von Christen in der
Schule Gewicht erhalten müssen. Sie sollen andere Konkretisierungen
des Berufsbildes bei der Erarbeitung von Ausbildungsordnungen nicht ersetzen,
sondern gewichtig ergänzen oder
ggf. verstärken.
1. "Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für das Lehren und Lernen. Ihre Kernaufgabe ist die
gezielte und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltete Planung, Organisation und
Reflexion von Lehr- und Lernprozessen sowie ihre individuelle Bewertung und systematische
Evaluation. Die berufliche Qualifikation von Lehrkräften entscheidet sich an der Qualität
ihres Unterrichts."
Das heißt für uns auch, • dass jeder Unterricht einer Sinn gebenden Lebensperspektive bedarf,
• dass jeder Schüler ernst genommen, mit seinen Schwächen und Stärken geachtet und wertgeschätzt wird.
2. "Lehrerinnen und Lehrer sind sich bewusst, dass die Erziehungsaufgabe in der Schule eng mit
dem Unterricht und dem Schulleben verknüpft ist. Dies gelingt umso besser, je enger die
Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet wird. Beide Seiten müssen sich verständigen und
gemeinsam bereit sein, konstruktive Lösungen zu finden, wenn es zu Erziehungsproblemen
kommt oder Lernprozesse misslingen."
Das heißt für uns auch, • dass Strategien der Konfliktbewältigung eingeübt werden, die Opfer vermeiden, dass Lehrende es wagen dürfen, sich als Person Erziehungsprozessen auszusetzen,
• dass auch Minderheiten in ihren kulturellen Eigenarten zu ihrem Recht kommen,
• dass die weltanschaulichen und sozialen Hintergründe, also der Lebenskontext reflektiert und zur Sprache gebracht werden kann.
3. "Lehrerinnen und Lehrer üben ihre Beurteilungs- und Beratungsaufgabe im Unterricht und bei
der Vergabe von Berechtigungen für Ausbildungs- und Berufswege kompetent, gerecht und
verantwortungsvoll aus. Dafür sind hohe pädagogisch-psychologische und diagnostische
Kompetenzen von Lehrkräften erforderlich."
Das heißt für uns auch, • dass der individuelle Lernfortschritt neben der Beurteilung nach Standards gewichtig mit berücksichtigt wird,
• dass die Würde des Kindes in jeder Form der Beurteilung gewahrt bleibt,
• dass die unaufhebbare Unvollkommenheit jedes Menschen bedacht und Schüler und Schülerinnen vor Perfektionsansprüchen jeder Art geschützt werden.
4. "Lehrerinnen und Lehrer entwickeln ihre Kompetenzen ständig weiter und nutzen wie in
anderen Berufen auch Fort- und Weiterbildungsangebote, um die neuen Entwicklungen und
wissenschaftlichen Erkenntnisse in ihrer beruflichen Tätigkeit zu berücksichtigen. Darüber
hinaus sollen Lehrerinnen und Lehrer Kontakte zu außerschulischen Institutionen
sowie zur Arbeitswelt generell pflegen."
Das heißt für uns auch, • dass der verantwortliche Umgang mit den eigenen Ressourcen reflektiert wird,
• dass unterschiedliche Elemente der Supervision bereitgestellt werden, die u. a. dazu beitragen, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen,
• dass die "unaufhebbare Unvollkommenheit" auch den Lehrenden zugestanden bleibt.
5. "Lehrerinnen und Lehrer beteiligen sich an der Schulentwicklung, an der Gestaltung einer
lernförderlichen Schulkultur und eines motivierenden Schulklimas. Hierzu gehört
auch die Bereitschaft zur Mitwirkung an internen und externen Evaluationen."
Das heißt für uns auch, • dass Lehrerinnen und Lehrer die Schule als Gemeinschaftsaufgabe verstehen und danach zu handeln lernen,
• dass Formen der Evaluation auch die so genannten "weichen" bzw. "unwichtigen" Fächer mit erfassen und diese für eine systematische Weiterentwicklung erschließen,
• dass Schulqualität vor allem eins heißt: Menschlichkeit,
• dass in allem schulischen Tun eine Sinn gebende Perspektive erkennbar ist, die im Programm der Schule formuliert wird.
Zugespitzt heißt das für uns:
6. Lehrerinnen und Lehrer werden sensibel für den verantwortlichen Umgang mit der eigenen Person.
Bei der Formulierung von Standards für die Lehrerbildung muss in besonderem Maße die Entwicklung und Befähigung der Person des Lehrers ins Auge gefasst werden, damit Lehrkräfte neben ihrer Fachkompetenz auch als menschliche Partner in der Erziehung und als Begleiter beim Erwachsenwerden von Jugendlichen ihre Aufgabe erfüllen können. Personale Kompetenz muss mit der Entwicklung der Berufsrolle auch in altersspezifischer Hinsicht aufs Engste verbunden sein. Deswegen brauchen Lehrer zur Stärkung ihrer Selbstkompetenz personbezogene Fortbildung und Begleitung, um die mannigfaltigen Anforderungen und Herausforderungen reflektieren, bewältigen und verarbeiten zu können. Die Erfahrung, auch als fehlbarer Mensch im Ganzen des Lern- und Lebensortes Schule akzeptiert zu sein, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Schüler pädagogisch sachgerecht mit Geduld und Verständnis behandeln zu können.
Verfasst von der
Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Erzieher in Deutschland e.V. (AEED),
Münster, im Februar 2007
Internet: www.aeed.de
Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Erzieher in Deutschland e.V. (AEED),
Münster, im Februar 2007
Internet: www.aeed.de