ekiba: Blicken wir auf den Bildungsbereich. Wie sehen Sie die Zukunft der religiösen Bildung in Schule und Gemeinde. Braucht
es heutzutage noch den Religionsunterricht?
Wolfgang Schmidt: „Wir sind am Beginn eines größeren Umbruchs. Ich sage am Beginn, weil an vielen Stellen das Bisherige noch trägt. Oft kann der
Religionsunterricht noch stattfinden, weil über 30% Konfessionslose am Unterricht teilnehmen. Das ist eine Chance, die Kirche an anderen Stellen
nicht so ausgeprägt hat – mit Menschen zu arbeiten, die nicht der Kirche angehören, aber trotzdem ein Interesse haben. Was für den Religionsunterricht
gilt, gilt genauso für die non-formale Bildungsarbeit. Die Erwachsenenbildung erreicht ein Spektrum von Menschen, die den ersten Zugang nicht über
Kirche oder Kirchenmitgliedschaft zu uns finden, sondern über ihre Bildungsinteressen. Ähnliches gilt auch für die offene Jugendarbeit.“
ekiba: Sie sagen, dass wir vor einem Umbruch stehen. Ist der konfessionelle Unterricht etwas, von dem man sich aus Ihrer Sicht langfristig
verabschieden sollte?
Wolfgang Schmidt: „In den gesellschaftlichen Diskussionen spielt das Stichwort Diversität eine große Rolle. Vielfalt ist eine Stärke einer liberalen
Gesellschaft, aber ich erlebe oft, dass das beim Blick auf den Religionsunterricht nicht mehr gelten soll. Dann kommt schnell der Gedanke, der das
Gemeinsame bemüht, statt zu sagen, das bereichert doch, wenn wir hier die verschiedenen Traditionen in Form der unterschiedlichen Konfessionen
einbringen können. Insofern stehe ich hinter dem Motto, das wir als vier Kirchen in Baden-Württemberg geprägt haben: konfessionell, kooperativ,
kontextuell. Konfessionell, aber nicht konfessionell exklusiv, sondern konfessionell kooperativ – und dann noch kontextuell eingebettet.“
ekiba: Herr Schmidt, wenn Sie auf Ihre Zeit als Oberkirchenrat blicken. Was waren für sie die prägendsten Momente?
Wolfgang Schmidt: „Das sind nicht unbedingt die besten. Ich komme im September 2019 aus Jerusalem zurück und im März 2020 beginnt Corona. Das heißt:
Im Grunde genommen ist die ganze Phase, die man am Anfang einer neuen Tätigkeit hat, weggefallen - das Vernetzen, Reinkommen, Leute kennenlernen. Was
stattdessen eingekehrt ist, war die digitale Welt. Auf einmal kam das Thema Homeoffice auf. Ich hatte damals zu Hause kein Arbeitszimmer vorgesehen,
weil es nur sieben Minuten bis in den EOK waren. Es war klar: Ich arbeite im Büro. Jetzt habe ich mein Arbeitszimmer. Da sitze ich mehr am Schreibtisch
als im EOK. Das Zweite ist, dass vom ersten Tag an die Themen Reduktion und Transformation im Mittelpunkt standen. Jetzt haben wir mit den jüngsten
Sparbeschlüssen der Landessynode einen gewissen Abschluss. Es ist fast wie ein Kreis, der sich schließt, auch wenn die Prozesse die Kirche noch lange
weiterbeschäftigen werden.“
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