Bildung ist nicht nur eine Frage des Inhalts, sondern immer auch eine der Form. Gerade bei offenen Bildungsmaterialien
stellt sich die Frage: Genügt es, wenn Inhalte fachlich korrekt und rechtlich abgesichert sind? Oder entscheidet die Art ihrer visuellen
Aufbereitung ebenso sehr über ihre Wirkung und ihren didaktischen Wert wie der Inhalt selbst?
Die visuelle Gestaltung von Lernmaterialien ist nicht nur eine didaktische Frage, sondern auch Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen. In einer
Zeit, in der Kommunikation zunehmend visuell geprägt ist, wird auch von Bildungsmaterialien erwartet, dass sie ästhetisch ansprechend und visuell
verständlich sind. Technische Möglichkeiten, mediale Gewohnheiten und der Trend zur Visualität insgesamt spiegeln sich somit unmittelbar in den
Anforderungen an OER (Open Educational Resources) wider.
Viele Materialerstellende greifen zunehmend auf frei zugängliche Plattformen wie Pixabay oder KI-gestützte Tools zur Bildgenerierung zurück, um
schnell, unkompliziert und vermeintlich rechtssicher an visuell ansprechende und passgenaue Bilder zu gelangen. Besonders im Kontext von OER ist der
Bedarf nach rechtlich unbedenklichem Bildmaterial hoch, da hier nicht nur die Nutzung, sondern auch die Weitergabe und Veränderbarkeit der Bilder
rechtlich abgesichert sein müssen. Diese Plattformen versprechen eine pragmatische Lösung: hochauflösende Bilder, einfache Suche über Verschlagwortung,
unkomplizierter Download und die Aussicht auf freie Nutzung.
Doch auch in diesem scheinbar unkomplizierten Zugang verbergen sich erhebliche Herausforderungen. Bilddatenbanken wie Pixabay sind häufig von uneinheitlichen
Lizenzmodellen und unklaren Nutzungsbedingungen geprägt.
Die Situation wird noch komplexer bei KI-generierten Bildern. Zwar unterliegen diese aktuell nicht dem klassischen Urheberrecht, was zunächst eine
unkomplizierte Nutzung nahelegt. Die Verwendung von KI-generierten Bildern wirft grundlegende Fragen zu einer verantwortungsvollen Verwendung auf, z.B.:
Wer sind die eigentlichen Urheber*innen der Trainingsdaten?
Haben diese zugestimmt, dass ihre urheberrechtlich geschützten Werke für die KI-Trainingsdaten verwendet werden?
Wie nachhaltig ist der hohe Energieverbrauch, der mit der KI-Bildgenerierung einhergeht?
Darüber hinaus zeigen erste Studien, dass KI-generierte Bilder bestehende stereotype Darstellungen und Vorurteile visuell reproduzieren. Aktuell
arbeitet die EU derzeit an einer Regulierung von KI-Systemen, die Transparenz, Sicherheit und Verantwortlichkeit stärken soll.
Insgesamt sind diese Fragen nicht nur juristisch relevant, sondern stellen vor allem eine ethische Herausforderung dar, besonders im Bildungsbereich,
der eine kritische Reflexion und Urteilsfähigkeit bei Lernenden fördern will.
Den kompletten Artikel finden Sie unter:
news.rpi-virtuell.de/.../oer-und-visuelle-qualitaet-eine-kritische-reflexion-offener-bildungsmaterialien
siehe dazu auch:
Digitale Offenheit braucht fachwissenschaftliche Tiefe: OER-Qualität im Projekt TiRU