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     28.06.2019
Bertram J. Schirr auf THEOPOP

„Big Data, little church“

Segensroboter BlessU-2Vor einigen Tagen ging ein Experiment schief. Ich finde mich in einem kleinen Raum mit 20 Konfirmand*innen, die hochagitiert auf einen gutmeinenden Informatik-Studenten aus dem Kreisjugendkonvent einreden. Das Referat war vorbei. An der Wand leuchtet das Sicherheitsmodell von Threema „seriously secure messaging“. Und völlig unerwartet fand ich mich in der Rolle eines verlorenen Unheilpropheten in einem Raum voller wütender junger Menschen, die ich sonst noch nie so erlebt hatte. Denn abgenommen haben die Konfirmand*innen uns das nicht.
Hände- und hirnringend suchten mein Jugendmitarbeiter und ich nach Szenarien, um die Bedrohung durch Big Data für die Jugendlichen nachvollziehbar zu machen – „Die ganzen Leihfahrräder in Berlin benutzen chinesische Firmen, damit sie Bewegungsprofile abgreifen und zu Geld machen können.“, „Payback-Karten rechnen nach Einkaufsprofilen besser aus, wann jemand schwanger ist, als eine Hebamme.“ „Metadaten machen es möglich, jeden von euch zu finden und sogar vorherzusagen, wo ihr als nächstes hingehen werdet.“ – Was dabei ankam war wenig mehr als: Bedrohung. Nicht durch Big Data, sondern durch uns.
Ein Angriff auf ihre Lebenswelt, in der WhatsApp und Instagram fest integriert sind, in der personalisierte Werbung erwünscht ist und nicht weh tut. „Wen interessieren denn meine Daten?“ und „Für mich klingt das irgendwie nach Verschwörungstheorien?“ und „Ich kann doch YouTube auf anonym stellen, dann kann keiner meinen Verlauf sehen“.

Und was hat das überhaupt mit Religion und Gott zu tun? Wie kann ich Datensicherheit pädagogisch und theologisch sinnvoll vermitteln, ohne über Bedrohungsszenarien zu gehen?
Religiöse Gemeinschaften haben einen Auftrag, eine Diskussion um Datensicherheit zu starten – nur irgendwie besser… Immerhin passiert da mal was. Bei wütenden Jugendlichen hat man mit Ernst Langes Streitkulturtheologie im Hinterkopf religionspädagogisch auf Gold gestoßen. Es gilt, weiterzugraben, auch in unseren Büchern (…bevor wir unsere Datenbanken aufmachen).
Im Christentum geht es doch im Wesentlichen um Fairness, um gleiche Sichtbarkeit und Repräsentation für alle. Schöpfungstheologisch sind Menschen ganzheitliche Wesen aus Fleisch und Blut und Seele und sie lassen sich nicht letztwirksam über Metadaten vermessen und kontrollieren. Irgendwo ist ihre Identität auch ein Ausdruck ihres persönlichen Verhältnisses zu Gott – hoffentlich sogar so weit, dass man diesen Teil des Lebens irgendwann effektiv dem quantitativen Big-Data-Ansatz entgegensetzen kann – wenn der Credit-Score zu gering ist oder der schlechte Wohnort sich für ein Service-Angebot nicht mehr lohnt.

Den kompletten Artikel finden Sie auf theopop.de

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