- Aufruf gegen Pflichfach LER
- Berliner SPD beschließt Einführung von Pflichtfach LER
- Religionspolitik des Berliner Senats und Grundgesetz
- Bundeskanzler gegen Berliner SPD-Beschluss zum Werteunterricht
- PDS: RU als ordentliches Lehrfach nicht mehr zeitgemäß
- Mehrheit der Berliner lehnt Werteunterricht ab
- 55.000 Unterschriften gegen geplanten Werteunterricht in Berlin
- Ehemalige Berliner Bürgermeister für Religionsunterricht
- Berliner Schuldirektoren kritisieren Pflichtfach Ethik
- Berliner Abgeordnetenhaus beschließt Einführung
des Pflicht-Ethik-Unterrichts
- Ethikunterricht verdrängt Religionsunterricht
an Berliner Schulen
24.03.05
Aufruf gegen Pflichtfach LER
Die Koalition
von SPD und PDS im Berliner Senat will ein Pflichtfach "Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde" für
alle Schülerinnen und Schüler einführen. Damit würde dem
- in Berlin von den Kirchen erteilten - Religionsunterricht die Grundlage
entzogen.
Wir veröffentlichen dazu einen Aufruf von Bischof Dr. Wolfgang Huber:
Sehr geehrte Damen und Herren,
114.000 Schülerinnen und Schüler besuchen den evangelischen und katholischen Religionsunterricht in Berlin. Die regierenden Parteien wollen dies in Zukunft verhindern. Der Religionsunterricht soll ein für
alle mal aus der Schule verbannt werden.
Wie soll dies geschehen? Man möchte verpflichtend einen einzigen staatlichen Werteunterricht einführen. Daneben soll kein Platz für Alternativen bleiben. Die Religionsfreiheit in der Schule, die sich in der Wahlfreiheit von Lehrangeboten widerspiegelt, wird abgeschafft. Der Staat selbst etabliert sich als Wertevermittler. Dies ist mit Blick auf die deutsche Vergangenheit ein gefährliches und verantwortungsloses Vorgehen. Während die SPD diese Vorhaben auf einem "Bildungsparteitag" im April verabschieden möchte, ist es für
die PDS bereits beschlossene Sache.
Gegen diese bildungspolitische Verdrängung des Christentums aus der Schule erheben wir als Kirche unsere Stimme. Wir lassen es nicht zu, dass sich ein Staat, der zur religiösen Neutralität
verpflichtet ist, selbst zum Wertemonopolisten erhebt.
Als Kirche brauchen wir jetzt Ihre Unterstützung! Es geht um viel. Es geht um die Zukunft unserer Kinder. Ich bitte Sie daher eindringlich, den angefügten Aufruf mit Ihrer Unterschrift zu unterstützen.
Ich bitte Sie, dass Sie sich unser Anliegen zu eigen machen.
Weisen Sie Menschen Ihres Vertrauens auf unser Anliegen hin. Jede öffentliche Äußerung zu dem angesprochenen Thema ist derzeit von großem
Gewicht.
Ihr
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Berlin, den 22. März 2005
Der Aufruf der Evangelischen Kirche, des Erzbistums
und der Jüdischen
Gemeinde im Wortlaut:
"
Berliner Bildungspolitik vor entscheidender Weichenstellung
Schülerinnen und Schüler müssen bei Werteunterricht zwischen verschiedenen gleichwertigen Angeboten wählen können
Schülerinnen und Schüler brauchen Kenntnisse über Ethik, Philosophie und Religion. Wer sich in einer pluralen und globalisierten Welt orientieren will, braucht verlässliche Wertmaßstäbe. Religion ist eine eigenständige Dimension menschlichen Lebens. Schülerinnen und Schüler haben ein Grundrecht auf Religionsfreiheit; dazu gehört, dass sie lernen, von dieser Religionsfreiheit Gebrauch zu machen. Religiöse Kompetenz kann vor Fundamentalismus und Fanatismus schützen. Sie gehört zu einer umfassenden Bildung. Eine von Kenntnis getragene inhaltliche Auseinandersetzung mit Religionen und Weltanschauungen ist die Voraussetzung für Dialog und Toleranz. Die Einführung
von verbindlichen Unterrichtsangeboten ist in Berlin dringend geboten.
Die Grenzen eines staatlichen Bildungsmonopols sind in
der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts deutlich geworden. Deshalb
garantiert das Grundgesetz den Religionsgemeinschaften, den Inhalt ihres
Glaubens und seiner Wertorientierung in der öffentlichen Schule zu vermitteln.
Allein die Möglichkeit für alle Lernenden, zwischen Ethik/Philosophie und Religionsunterricht zu wählen, verhindert eine ideologische Engführung, die mit nur einem vom Staat verordneten Fach in diesem Bereich gegeben wäre.
Wir fordern von den politisch Verantwortlichen, eine Fächergruppe Ethik/Philosophie und Religionsunterricht einzuführen. Nur eine Fächergruppe und die mit ihr verbundenen Wahl- und Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Fächern werden dem Grundrecht auf Religionsfreiheit und dem Auftrag der öffentlichen Schule gerecht, Kenntnisse und Orientierung in diesem Feld zu ermöglichen. Auf diese Weise können auch in der Schule Begegnung und Toleranz zwischen Religionen und Weltanschauungen gefördert und eingeübt
werden.
Dieser Aufruf wird von der Evangelischen
Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dem Erzbistum Berlin und
der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
getragen."
10.04.2005
Berliner SPD beschließt Einführung von Pflichtfach LER
Die Berliner SPD
hat auf ihrem Landesparteitag am 9. April die Einführung eines verbindlichen konfessionsfreien Pflichtfachs
zur Wertevermittlung für alle Schüler beschlossen. Eine große Mehrheit
der Delegierten votierte für ein solches Pflichtfach. Es soll Schüler
mit unterschiedlichen Weltreligionen und Weltanschauungen vertraut machen.
Während der Werteunterricht verpflichtend sein soll, bleibt das
Fach Religion freiwillig.
Bereits ab dem im Sommer 2006 beginnenden nächsten Schuljahr soll das
Fach nach dem Willen der Sozialdemokraten unterrichtet werden.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse warnte auf dem Parteitag die Berliner SPD: "Unsere
Verfassung verbietet, dass sich der Staat eine Wertebevormundung anmaßt." Für
die Wertevermittlung brauche er verlässliche Partner wie die Kirchen.
Thierse sagte auch, dass auch die DDR die Kirchen aus den Schulen gedrängt
habe. "Die Christen haben das nicht vergessen." Der Regierende Bürgermeister
Wowereit antwortete: "Wertevermittlung ist nicht nur eine Aufgabe der Kirchen. Es ist auch eine wichtige Aufgabe
des Staates."
Vor
dem SPD-Parteitag demonstrierten rund 1000 Lehrer, Schüler und Kirchenvertreter.
Sie warnten den Senat vor einem "Staatseinheitsfach",
das sehr an DDR-Zeiten erinnere.
Der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber äußerte im Rundfunk
Berlin-Brandenburg die Befürchtung, dass mit der Einführung
des neuen Pflichtfachs bisherige Teilnehmer am Religionsunterricht
abspringen und der Religionsunterricht auf diese Weise "ausgetrocknet" würde.
Ein Sprecher der evangelischen Landeskirche kündigte an, den Widerstand
gegen die Pläne der Berliner SPD fortzusetzen und für einen
gleichberechtigten Religionsunterricht einzutreten. (siehe
Aufruf)
Die Ministerpräsidenten Bayerns, Hessens und Thüringens kritisierten
den Berliner Beschluss und sprachen sich für den Religionsunterricht
an deutschen Schulen aus.
Der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Fraktion,
Dr. Hermann Kues, MdB erklärte bereits vor dem Parteitag:
Die Einführung eines verpflichtenden Werteunterrichts bzw. des Schulfachs „interkulturelle
Bildung“ an den Berliner Schulen, ohne zu gewährleisten, dass es konfessionellen Religionsunterricht
als gleichberechtigtes Wahlpflichtfach gibt, erinnert - wie Georg Kardinal Sterzinsky
und Bischof Wolfgang Huber zu Recht sagen - an unselige DDR-Zeiten. Es werden
damit grundlegende Prinzipien unserer pluralen Gesellschaft angegriffen:
1) Der Elternwille und das Gebot der freien Wahl eines bekenntnisorientierten Religionsunterrichtes
werden missachtet. Wohin staatlich-ideologische Bildungsmonopole führen,
haben wir in unserer Geschichte schmerzhaft erleben können.
2) Religionsfreiheit als eines der vornehmsten Menschenrechte, an denen sich
ein Staat messen lassen muss, wird so nicht gewährleistet. Religion muss
einen festen Platz an deutschen Schulen haben, um in einer pluralen globalisierten
Welt Orientierung zu ermöglichen.
3) Toleranz setzt zunächst die Selbstvergewisserung des eigenen Standpunktes
voraus. Religion, Kultur und Lebensweise in einem vermeintlich neutralen vergleichenden
Unterrichtsfach zu einem Kuriosititätenkabinett zusammen zu pferchen, erzeugt
keine Toleranz, sondern fördert
Orientierungslosigkeit.
13.04.2005
Religionspolitik des Berliner Senats und Grundgesetz
Pressemitteilung CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Rede in der Aktuellen Stunde des Deutschen Bundestages am 13.4.2005 von Dr. Hermann Kues MdB
Die Absicht des Berliner Senats, getragen von SPD und PDS, ab dem
Schuljahr 2006 den ohnehin freiwilligen Religionsunterricht der Kirchen
und Religionsgemeinschaften abzudrängen und faktisch zu ersetzen durch
eine staatlich organisierte Wertevermittlung, ist für die Union ein
Anschlag auf die Bekenntnis- und Gewissensfreiheit in unserem Lande.
Das geht weit über die Berliner Landespolitik hinaus.
Es ist eine Kampfansage an den Grundkonsens unserer pluralen Gesellschaft,
wenn z.B. Schülerinnen und Schüler, die religiös gebunden sind,
keine Chance haben, sich vom staatlich verordneten Werteunterricht abzumelden.
Nach unserem Verständnis muss der Staat Freiheiten garantieren und darf
sich nicht anmaßen, Werte zu normieren.
Religionsfreiheit ist eines der vornehmsten Menschenrechte. Die
Legitimation des Religionsunterrichtes im geltenden Verfassungsrecht folgt
aus der Verpflichtung des freiheitlich demokratischen Staates. Wegen der
weltanschaulichen Neutralität des Staats und seiner Verantwortung für das
Schulwesen hat er dafür zu sorgen, dass religiöse Bezüge als Erfahrungsgut
der Schülerinnen und Schüler nicht ausgeblendet werden, sondern in das auf
ganzheitliche Persönlichkeitsbildung ausgerichtete Unterrichtsprogramm
fachlich einbezogen werden.
Lassen Sie mich Bischof Wolfgang Huber zitieren: „seelenlose
‚Religionskunde’ kann den Religionsunterricht nicht ersetzen. Man braucht
ein eigenes Verhältnis zu Gott, zur Nächstenliebe und gelebtem Glauben,
wenn man andere darin unterrichten will. Es gehört nicht zu den Aufgaben
des Staates, das Christentum aus unseren Schulen zu verdrängen. Das
verletzt die Pflicht des Staates zu religiöser Neutralität. Es
widerspricht auch dem demokratischen Miteinander.“
In einer Erklärung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken heißt es:
„Wir möchten, dass in unserem Land die Menschen auch künftig die Frage
nach dem Sinn ihres Tuns und Lebens, nach unserer Zukunft und nach Gott
stellen und dass sie christlich-religiöse Antworten darauf kennen und eine
religiöse Identität entwickeln können“.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ich sage Ihnen ganz offen, das was sich hier in Berlin abspielt, riecht
nach DDR. Bei der PDS wundert es mich nicht.
Nur, dass 77 % der Berliner SPD auf dem Landesparteitag sich diesem
religionsfeindlichen Geist, der dahinter steckt, anschließen, das macht
mich auch im Hinblick auf die deutsche Vergangenheit fassungslos.
Das ist ein gefährlicher und verantwortungsloser Irrweg!
Es werden jetzt kräftig Nebelkerzen geworfen. Auch wenn ich das Engagement
des stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden Wolfgang Thierse ausdrücklich
anerkenne, wird deutlich, dass seine Meinung eine Minderheitenposition
darstellt. Herr Müntefering sagt, Kulturpolitik sei Sache der Länder,
tiefer gehende Zusammenhänge versucht er auszublenden. Der Höhepunkt ist
der Regierende Bürgermeister Wowereit, der mit vielen Worten erklärt, dass
sich eigentlich doch gar nichts ändere. Wie schrieb heute eine Zeitung:
das ist entweder Ignoranz oder Dummheit.
Es lohnt sich deshalb, einen Blick auf das Umfeld dieser Entscheidung zu
werfen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller geht davon aus, dass
künftig die Zuschüsse, die ohnehin in den letzten Jahren für den
Religionsunterricht erheblich gekürzt wurden, weiter gekürzt werden
können, da voraussichtlich künftig weniger Schülerinnen und Schüler
daran teilnehmen werden (FAZ v. 6.4.05).
Die Lehrerin Monika Buttgereit, SPD-Landesvorstandsmitglied und Mitglied
des Abgeordnetenhauses bemerkt öffentlich: ich möchte den Katholiken nicht
absprechen, dass sie auch Werte haben… aber das sind nicht die Werte, die
ich mit Schülern diskutiert haben will“ (Spiegel, 11.4.05).
Das ist eine deutliche Kampfansage!
Auffällig sind auch die weitreichenden Kontakte des rot-roten Senats zum
atheistisch-humanistischen Verband, der zwar nur 3.000 Mitglieder in
Berlin hat, also so viel wie eine durchschnittliche Kirchengemeinde, der
aber außergewöhnlich großzügig vom Senat gefördert wird. 54.000 € aus
Beiträgen und Spenden, also selbst erwirtschaftet, stehen Zuschüsse aus
Landesmitteln pro Jahr in Höhe von 582.000 € gegenüber.
Der Verband beschäftigt sich bereits jetzt damit mit Hilfe runder Tische
die Entwicklung eines Konzeptes für das Fach LER in Berlin zu begleiten.
Ist es reiner Zufall, dass es enge personelle Verflechtungen gibt?
Kultursenator Thomas Flierl, im Senat zuständig für Kirchen und
Religionsgemeinschaften, ist ebenso Mitglied wie die stellvertretende
Vorsitzende der PDS-Fraktion.
Toleranz setzt zunächst die Selbstvergewisserung des eigenen Standpunktes
voraus. Religion, Kultur und Lebensweise in einem vermeintlichen neutralen
Unterrichtsfach zusammen zu pferchen, erzeugt keine Toleranz, sondern
fördert Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit.
Die Kirchen und die jüdische Gemeinde haben unsere volle Unterstützung im
Einsatz für das Fach Religion als Wahlpflichtfach.
13.04.2005
Bundeskanzler gegen Berliner SPD-Beschluss zum Werteunterricht
Auch Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) hat sich in die Diskussion um den Beschluss der Berliner SPD, einen
verbindlichen Werteunterricht einzuführen, eingeschaltet. Bei einer Familienkonferenz
in Berlin plädierte er dafür, das Fach Religionsunterricht als
gleichberechtigte Wahlmöglichkeit neben dem geplanten Werteunterricht
zu etablieren.
Schröder sagte, er stimme - "auch wenn das den einen oder anderen
stört" - ausdrücklich dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen
Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, zu. Der Kanzler betonte, er sei dafür, "dass
Kinder und Jugendliche entweder ihre eigene Religion bekenntnisgestützt
kennen lernen oder sich neutral über Werte und Religionen informierten
können."
Die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt lehnt das Berliner
Modell ebenfalls ab. Diese Regelung käme im Südwesten
nicht in Frage.
21.06.2005
PDS: RU als ordentliches Lehrfach nicht mehr zeitgemäß
Nach einer Meldung
der "Berliner Zeitung" denkt der Landes- und Fraktionsvorsitzende der
Berliner PDS, Stefan Liebich, schon an den Wahlkampf für die Wahl zum
Abgeordnetenhaus im kommenden Jahr.
In diesem Wahlkampf soll auch der Streit um den Religionsunterricht eine
wichtige Rolle spielen. Die PDS will - ebenso wie die Berliner SPD -
einen Werteunterricht einzuführen, an dem alle Schüler teilnehmen
müssen. Religionsunterricht soll nur als freiwilliges, zusätzliches
Angebot an den Schulen zugelassen werden.
Der Berliner PDS-Chef will das Thema Religionsunterricht im Wahlkampf aber
auch ganz grundsätzlich diskutieren. "Wir müssen
uns fragen, ob das Grundgesetz, in dem steht, Religion ist ein ordentliches
Lehrfach, noch zeitgemäß ist",
so Liebich.
In einer großen Zeitungsanzeige, die am Samstag im "Tagesspiegel" erschien, fordern zahlreiche Prominente, dass Berliner Schüler zwischen dem geplanten Werteunterricht und einem konfessionellen Religionsunterricht wählen können.
Der Aufruf wurde unter anderen von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), der Bundespräsidenten-Gattin Eva-Luise Köhler, dem Schauspieler Ulrich Noethen und BDI-Präsident Jürgen Thumann unterzeichnet.
In dem Aufruf heißt es: "Schülerinnen und Schüler haben ein Grundrecht auf Religionsfreiheit." Dem werde die Schule aber nur gerecht, wenn sie eine Wahlmöglichkeit zwischen Ethik- und Religionsunterricht bietet.
12.05.2005
Mehrheit der Berliner lehnt Werteunterricht ab
Die
Mehrheit der Berliner lehnt den vom Senat geplanten Pflicht-Werteunterricht
ab.
60 % fänden es besser, wenn die Schüler stattdessen zwischen
Religionsunterricht und einem konfessionsfreien Wertefach wählen müssten,
ergab eine neue Emnid-Umfrage im Auftrag der Berliner Morgenpost. Das Vorhaben
der SPD/PDS-Koalition unterstützten nur 37 %. Noch vor einem Monat hatte
das anders ausgesehen. Damals hatten bei einer Umfrage 86 Prozent der Hauptstädter
für ein Pflichtfach plädiert, das von Kindern aller Konfessionen
besucht wird.
Etwa 15.000 Bürger
hätten nach Angaben der Zeitung bereits einen Aufruf der Kirchen für
eine Fächergruppe Ethik/Philosophie und Religion unterzeichnet. Unter
ihnen seien CDU-Chefin Angela Merkel, Kulturstaatsministerin Christina Weiss
und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.
Quelle: Radio Vatikan
Im Streit um den geplanten staatlichen Werteunterricht lehnt es das Erzbistum
ab, sich an der inhaltlichen Gestaltung des neuen Faches zu beteiligen.
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz will
die Möglichkeit einer Mitarbeit noch offen lassen. In einem Antwortschreiben
an Bildungssenator Klaus Böger
(SPD) hat Bischof Wolfgang Huber, der den geplanten Werteunterricht
ablehnt, ein Grundsatzgespräch
zwischen Senat und Kirchen eingefordert. Böger
hatte die Kirchen in einem Brief eingeladen, sich an den Planungen für
das neue Fach zu beteiligen.
03.06.2005
55.000 Unterschriften gegen geplanten Werteunterricht in Berlin
Fast
55.000 Menschen aus
dem gesamten Bundesgebiet haben einen Aufruf der beiden großen Kirchen
und der Jüdischen Gemeinde
gegen einen einheitlichen und verbindlichen Werteunterricht für alle Berliner
Schüler
unterzeichnet.
Am 2. Juni zogen die Bischöfe Wolfgang Huber und Georg
Kardinal Sterzinsky, begleitet von etwa 1000 Schülern, Eltern und Persönlichkeiten
aus dem öffentlichen Leben, vor das Rote Rathaus, um dem Berliner Senat
die Protestliste zu übergeben.
Der eigentliche Adressat, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus
Wowereit (SPD), fehlte. Er weilte im Abgeordnetenhaus und erklärte
dort: "Es
ist das gute Recht der Kirchen, in ihrem Unterricht die vorformulierten
Zettel auszuteilen und mit den Unterschriften der Eltern wieder einzusammeln." - "Es
kann nicht unsere Aufgabe sein, Kinder zwangsweise in einen bekennenden
Religionsunterricht zu schicken."
Bischof Huber zeigte sich, ebenso wie Kardinal Sterzinsky, "überrascht
und enttäuscht" über
das Fernbleiben Wowereits. Die
Unterschriftenliste dokumentiere, daß es ein breites Bündnis über
Parteigrenzen hinweg für
Religionsunterricht gebe. Neben Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse (SPD) haben auch die CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel
und Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) unterzeichnet.
Der Staat habe kein Monopol auf die Vermittlung von Werten, sagte Huber.
Die Unterschriften seien "eine Aufforderung an den Senat, den Weg
der Verständigung und nicht der Konfrontation zu gehen".
Quelle diverse Berliner Zeitungen
09.12.2005
Ehemalige Berliner Bürgermeister für
Religionsunterricht
Wie die Berliner "Morgenpost" meldet, setzen sich fünf ehemalige
Regierende Bürgermeister von Berlin mit einer Anzeige in mehreren Tageszeitungen dafür
ein, an den Berliner Schulen Religionsunterricht als gleichberechtigtes
Schulfach zuzulassen. Klaus Schütz, Dietrich Stobbe, Hans-Jochen Vogel
(alle SPD) sowie Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen (beide
CDU) fordern eine Wahlmöglichkeit für die Schüler zwischen
dem kirchlichen Angebot und dem staatlichen Ethikunterricht.
Mit ihrer Initiative, der sich die ehemalige Bürgermeisterin
und Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) angeschlossen hat,
stellen sich die früheren Regierenden Bürgermeister deutlich gegen den Kurs des heutigen Amtsnachfolgers
Klaus Wowereit, der an Stelle eines Religionsunterrichts einen "neutralen
Ethikunterricht" befürwortet, wie er auch am 9. April auf einem SPD-Landesparteitag beschlossen worden
ist.
In der Anzeige heißt es: "Berlin ist eine
freie Stadt des Denkens und des Glaubens... Wer für
eine tolerante Stadt einstehen will, braucht die Kenntnis der eigenen
wie fremder Religionen." Ein staatliches Monopolfach verletze die Neutralitätspflicht
des Staates. "Religionsunterricht vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch
Orientierung. Es ist gerade heute unverzichtbar."
22.12.2005
Berliner Schuldirektoren kritisieren Pflichtfach Ethik
Wie die "taz"
meldet drängt der Interessenverbandes Berliner Schulleitungen in einer
Stellungnahme auf Änderung der Pläne für das geplante neue Unterrichtsfach
Ethik. Der Verband fordert, die Erfahrungen aus dem Modellversuch "Ethik/Philosophie" stärker
in den Planungen zu berücksichtigen und kritisiert, dass das neue Fach
Ethik nicht zugunsten von Religionsunterricht abgewählt werden kann. Das
Fach Ethik soll in Berlin ab dem kommenden Schuljahr eingeführt
werden.
24.03.2006
Berliner Abgeordnetenhaus beschließt
Einführung des Pflicht-Ethik-Unterrichts
Berliner Schüler der Klassen 7 bis 10 werden künftig zwei Mal in
der Woche verpflichtenden Ethikunterricht haben, denn Berlin führt als
erstes Bundesland Ethikunterricht als Pflichtfach ein.
Das neue Fach soll vom kommenden Schuljahr an zunächst in den siebten Klassen
gelehrt und dann schrittweise ausgedehnt werden. Die Gesetzesvorlage von SPD
und Linkspartei/PDS wurde von den Grünen unterstützt und mit großer
Mehrheit im Abgeordnetenhaus verabschiedet.
CDU und FDP lehnten den Entwurf ab. Sie kritisieren wie die beiden großen
Kirchen die Entscheidung und fordern Wahlfreiheit zwischen den Fächern Ethik
und Religion, d.h. die Möglichkeit für die Schüler, sich zu Gunsten
des Religionsunterricht vom Ethikunterricht abzumelden.
Die Evangelische Kirche will jetzt hausintern prüfen, ob das
neue Gesetz überhaupt verfassungskonform ist. Das katholische Erzbistum
machte klar, dass es nicht für eine Zusammenarbeit mit den Ethiklehrern
bereit steht, solange Religion kein gleichberechtigtes Wahlpflichtfach werde.
Unterdessen erwarten die Schulen, dass künftig weniger Schüler als
bisher am Religionsunterricht teilnehmen werden, weil sie andernfalls zu stark
belastet wären.
Zu diesem Beschluß eine Pressemeldung
der Berliner CDU:
Fischbach: Religionsunterricht
als Wahlpflichtfach notwendig
Zum Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses, auf Kosten des konfessionellen
Religionsunterrichts ein Wertepflichtfach einzuführen, erklärt die
Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Ingrid Fischbach MdB:
Die Einführung eines einheitlichen verpflichtenden Werteunterrichts an den
Berliner Schulen, ohne Sicherstellung des konfessionellen Religionsunterrichts
als gleichberechtigtes Wahlpflichtfach, zeigt die religionsfeindliche Grundhaltung
des Berliner Senats. Nach unserem Verständnis muss der Staat jedoch Freiheiten
garantieren und nicht Werte normieren. Der staatlich vorgegebene Wertunterricht
wird zur Norm erhoben und führt zur Wertbevormundung.
Es werden damit grundlegende Prinzipien unserer pluralen Gesellschaft angegriffen:
1) Der Elternwille und das Gebot der freien Wahl eines bekenntnisorientierten
Religionsunterrichtes werden missachtet. Wohin staatlich-ideologische Bildungsmonopole
in Wertfragen führen, haben wir in unserer Geschichte schmerzhaft erleben
können.
2) Religionsfreiheit als eines der vornehmsten Menschenrechte, an deren Verwirklichung
sich ein Staat messen lassen muss, wird so nicht gewährleistet. Religion
muss einen festen Platz an deutschen Schulen haben, um in einer pluralen Gesellschaftsordnung
Orientierung zu erleichtern.
3) Toleranz setzt zunächst die Selbstvergewisserung des eigenen Standpunktes
voraus. Religion, Kultur und Lebensweise in einem vermeintlich neutralen vergleichenden
Unterrichtsfach zusammen zu pferchen, erzeugt keine Toleranz, sondern fördert
Orientierungslosigkeit und konsequenzlose Beliebigkeit von Werthaltungen.
11.10.2006
Ethikunterricht verdrängt Religionsunterricht an Berliner Schulen
Im Schuljahr 2006/2007 nehmen 6.262 Schülerinnen und
Schüler der siebten Klassen am konfessionellen Religionsunterricht der Evangelischen
Kirche und des Erzbistums Berlin teil. 5.044 Schüler besuchen in diesem
Schuljahr den evangelischen Religionsunterricht, 1.218 den katholischen.
Durch die Einführung des staatlichen Ethikunterrichts ist die Anzahl der
Teilnehmer am Religionsunterricht im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel zurückgegangen.
Im Schuljahr 2005/2006 hatten 8.471 Schülerinnen und Schüler der siebten
Jahrgangsstufe am Religionsunterricht teilgenommen. Die Zahlen beruhen auf einer
Auswertung von Rückmeldungen der Religions-Lehrkräfte.
Die neuen Teilnehmerzahlen zum Religionsunterricht belegen deutlich den Zusammenhang
zwischen der Einführung eines staatlichen Monopolfaches für Wertevermittlung
und der Zurückdrängung des Religionsunterrichts.
Schülerinnen und Schüler haben nach dem in diesem Frühjahr eingeführten
Berliner Schulgesetz keine Möglichkeit, statt des Ethikunterrichts den Religionsunterricht
zu besuchen. In keinem anderen Bundesland werden junge Menschen gezwungen, an
einem staatlichen Ethikunterricht teilzunehmen, ohne stattdessen einen Werte
vermittelnden Unterricht der Kirchen oder anderer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften
wählen zu können.
Bischof Wolfgang Huber und Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky sprechen den
Schülerinnen und Schülern ihren großen Respekt aus, die am konfessionellen
Religionsunterricht teilnehmen und damit eine Doppelbelastung ertragen, die das
Abgeordnetenhaus von Berlin und der Berliner Senat hätten verhindern können.
Die Evangelische Kirche und das Erzbistum Berlin fordern weiterhin die Einrichtung
eines Wahlpflichtbereichs, in dem die Schülerinnen und Schüler zwischen
Ethik und Religion als gleichberechtigten Unterrichtsfächern wählen
können.
Quelle: Erzbistum Berlin
04.06.2007
„Pro Reli“ will Volksbegehren für Ethik und Religion

"Pro
Reli" ist eine Initiative engagierter Berlinerinnen und Berliner. Sie setzt
sich dafür ein, jungen Menschen Perspektiven für ein friedliches und tolerantes
Miteinander in unserer multikulturellen und multireligiösen Weltstadt anzubieten.
Besonders in Berlin, wo Menschen aus allen Erdteilen auf engstem Raum zusammenleben,
ist es "Pro Reli" ein Anliegen, dass junge Menschen gemeinsam erfahren,
wie wichtig eigene Wertvorstellungen sind, um einander in Toleranz und Respekt
zu begegnen.
Vor diesem Hintergrund scheint der Initiative eine Verbesserung der ethischen
und religiösen
Bildung in Berlin wichtig - nicht nur, aber vor allem in der Schule. Der Senat
hat Ethik zu einem Pflichtfach an den Oberschulen gemacht, sicherlich ein richtiger
Schritt. Doch das reicht nicht. Eine wirklich effektive Wertevermittlung setzt
bei der individuellen Lebenserfahrung der Schülerinnen und Schüler an. Deshalb
ist es unabdingbar, an den Schulen nicht nur eine humanistisch-säkulare Wertevermittlung
anzubieten, sondern auch religiös gebundene Formen.
Daher tritt "Pro Reli" dafür ein, dass auch in Berlin Religion ordentliches
Lehrfach an den Schulen wird, und zwar im Rahmen eines Wahlpflichtbereichs Ethik/Religion.
Dazu will die Initiative zunächst über den Religionsunterricht informieren. Darüber
hinaus planen sie, zeitnah ein Volksbegehren zur Einführung eines Wahlpflichtbereichs
Ethik/Religion einzureichen.
EKD-Ratspräsident Bischof Wolfgang Huber und Georg Kardinal Sterzinsky haben
ein deutliches Zeichen für diese Aktion gesetzt. Noch vor der Auftaktveranstaltung
am 1. Juni haben sie als eine der Ersten für das Volksbegehren unterschrieben.
Die Initiative "Pro Reli" im Internet:
www.pro-reli.de
Quelle: Homepage der Intiative
Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach an der Schule der Erfolg der Initiative Pro-Reli: Ein großer Sprung für Berlin, kein Fortschritt für die alten Bundesländer
Von Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, 19.01.2009
den Text finden Sie unter
fachverband.info/texte/proReli_SH.htm
Berlin - trotz massiver Kritik Abstimmung am 26. April 09
Der Berliner Senat verkündete 17. Februar den Termin für den Volksentscheid über ein Wahlpflichtfach Religion/Ethik. Wie zu erwarten war, favorisiert der Senat trotz massiver Kritik eine Abstimmung am 26. April um so einen Erfolg von Pro Reli zu verhindern.
Trotz massiver Kritik aller Oppositionsparteien will die Koalition aus SPD und Linkspartei eine Abstimmung am 26. April. Die Befürworter hatten gefordert, dass der Volksentscheid parallel zur Europawahl am 7. Juni stattfindet, um so mehr Wähler zu erreichen. Der Trägerverein von «Pro Reli» will erreichen, dass die Fächer Religion und Ethik in der Schule gleichgestellt werden. Bisher ist der Religionsunterricht in Berlin freiwillig, Ethik dagegen ein Pflichtfach. Der zusätzliche Abstimmungstermin am 26.04. kostet die Stadt Berlin 1,4 Millionen EURO.
Zollitsch - scharfe Kritik an Wowereit
Im Streit um den Religionsunterricht in Berlin hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, heftige Kritik an Berliner Politikern geübt. Er appellierte am Donnerstag zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Hamburg an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die ?fast ideologisch anmutende Trickserei? aufzugeben und ?die Grundlagen politischer Seriosität? bei diesem Thema nicht zu verlassen.
?Wir hoffen, dass der Volksentscheid in Berlin ein Erfolg wird?, sagte Zollitsch.
?Ich bedaure, dass die Abstimmung nicht mit der Europawahl zusammen gelegt wurde, weil es für viele dann einfacher gewesen wäre, zur Wahl zu gehen. Ich bedaure auch, dass es offensichtlich das Anliegen des regierenden Bürgermeisters ist, die Abstimmung nach Möglichkeit zu erschweren. Nach meinem Demokratieverständnis ist das eine Einschränkung. Denn wenn Umfragen zufolge die Mehrheit der Berliner die freie Wahl zwischen Religion und Ethik will, sollte die Demokratie das beachten.?
Der Berliner Volksentscheid zur Gleichstellung des Religions- mit dem Ethikunterricht findet am 26. April statt. Die Regierungskoalition von SPD und Linkspartei folgte mit dem Termin nicht dem Vorschlag der Initiatoren des Volksbegehrens ?Pro Reli? sowie von Kirchen, CDU, FDP und Grünen. Diese hatten dafür plädiert, den Volksentscheid zusammen mit der Europawahl am 7. Juni abzuhalten. Kritiker werfen der Koalition vor, durch den separaten Abstimmungstermin eine niedrigere Bürgerbeteiligung erreichen zu wollen und zugleich Mehrkosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro zu verursachen.
26.04.2009
RU in Berlin weiterhin freiwilliges Zusatzangebot 
Der Religionsunterricht wird in Berlin weiterhin kein reguläres Schulfach sein.
Der von der Initiative «Pro Reli» initiierte Volksentscheid zur Aufwertung des freiwilligen Religionsunterrichts neben dem
für alle Schüler verpflichtenden Fach Ethik ist gescheitert.
Nur rund 14 Prozent der Wahlberechtigten sprachen sich für den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach aus.
Notwendig wären 25 Prozent und zugleich eine Mehrheit der Ja- Stimmen gewesen.
Der Religionsunterricht für Berliner Schüler wird damit auch künftig in den Rand- oder Nachmittagsstunden stattfinden.
» Seite drucken
« Startseite
‹