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Die EKD hat im Rahmen ihres Projektes "Seismograph" eine
Repräsentativbefragung zum Religions- und Ethikunterricht in
Auftrag gegeben. Sie wurde vom EMNID-Institut im Oktober 2001
unter 2500 Bundesbürgerinnen und -bürgern (deutschsprachige Wohnbevölkerung
ab 14 Jahren) durchgeführt.
Erste Ergebnisse zeigen deutlich, dass nach Sicht
der Befragten die Aufgabe der Schule über eine instrumentelle,
verwertungsorientierte Wissensvermittlung weit hinausreicht.
Mit 85 Prozent spricht sich eine überwältigende Mehrheit dafür
aus, dass in der Schule auch Themen behandelt werden, die sich
mit den Grundwerten und dem Sinn des Lebens beschäftigen. Damit
verbinden sich weltanschauliche und religiöse Fragestellungen,
in unserem Kulturkreis besonders nach der Bedeutung von christlicher
Religion und Ethik. Wie sollen sie in der Schule thematisiert
werden? 56 Prozent der Befragten meinen: "Um in der Schule die
Bedeutung von christlicher Religion und Ethik richtig kennen
zu lernen, braucht man den Religionsunterricht." 25 Prozent stimmen
dem nicht zu. In Westdeutschland beja-hen diese Aussage insgesamt
62 Prozent und - besonders erwähnenswert - sogar 36 Prozent der
Konfessionslosen. In Ostdeutschland, wo sich der Religionsunterricht
in den vergangenen zehn Jahren erst allmählich als ordentliches
Lehrfach etablieren konnte, stimmen dieser Aussage immerhin 33
Prozent zu, während 38 Prozent Ablehnung äußern.
"Das Bundesland Brandenburg hat für alle Schüler
ein Pflichtfach 'Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde' (LER)
eingeführt. Der Religionsunterricht ist in Brandenburg kein ordentliches
Lehrfach und hat faktisch nur eine Randstellung." Lediglich 24
Prozent finden diese Entwicklung richtig. 67 Prozent - also fast
dreimal so viel - sind dagegen der Ansicht, dass LER und Religionsunterricht
gleichberechtigt auf dem Stundenplan stehen sollten. Selbst in
Brandenburg, wo mit etwa einem Viertel eine Minderheit der Bevölkerung
einer christlichen Kirche angehört, ist mit 49 Prozent eine Mehrheit
dafür, dass LER und Religionsunterricht gleichberechtigt auf
dem Stundenplan stehen sollten. 40 Prozent halten die bisherige
Entwicklung für richtig. Nur 4 Prozent äußern in Deutschland
von sich aus, dieses Thema sei ihnen egal, weitere 4 Prozent
geben an nicht zu wissen, um was es dabei geht.
Was das Verhältnis von evangelischem und katholischem
Religionsunterricht betrifft, votieren 55 Prozent der Befragten
für eine Kooperation der beiden Fächer. Lediglich 5 Prozent plädieren
für eine strikte Trennung.
Mit 90 Prozent erwarten fast alle vom Religionsunterricht,
dass er zu Toleranz und Verständigung beiträgt. Ferner soll er
christliche Werte vermitteln (78 Prozent das soziale Engagement
fördern (78 Prozent) und den Schülerinnen und Schülern helfen,
eine eigene religiöse Identität zu entwickeln (72 Prozent).
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Genauso wird vom Ethikunterricht erwartet, zu Toleranz
und Verständigung beizutragen (88 Prozent). Außerdem soll er
das soziale Engagement fördern und den Schülerinnen und Schülern
helfen, eine eigene weltanschauliche Orientierung zu finden (jeweils
80 Prozent). Es fällt auf, dass 70 Prozent dem Ethikunterricht
die Funktion zuweisen, auch über Religion zu informieren.
Was die Lehrenden im Religions- bzw. im Ethikunterricht
angeht, besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Fächern.
56 Prozent der Befragten sind dafür, dass der Lehrer oder die
Lehrerin im Religionsunterricht für die eigene Glaubensüberzeugung
eintritt, 23 Prozent stimmen dem nicht zu. Eine solche persönliche
Profilierung der Lehrkraft wird für den Ethikunterricht zurückgewiesen
(34 Prozent Zustimmung, 39 Prozent Ablehnung). Im Blick auf die
Lehrerinnen und Lehrer zeigt sich also, dass die Bekenntnisbindung
des Religionsunterrichts erkannt und befürwortet wird.
"Es sollte auch islamischer Religionsunterricht
eingerichtet werden." Dafür sprechen sich in Deutschland 48Prozent
aller Befragten aus. 30 Prozent stimmen dieser Aussage nicht
zu. Dabei ist zwischen West- und Ostdeutschland zu differenzieren.
Im Westen ergibt sich eine mehrheitliche Befürwortung von 51
Prozent. Im Osten überwiegt (bei einer Zustimmung von 35 Prozent)
mit 39 Prozent eine ablehnende Haltung. In diesem Zusammenhang
ist auch zu berücksichtigen, dass dort - abgesehen von Berlin
- unter 1 Prozent der Bevölkerung islamischen Glaubens sind.
Auf die Frage "Besuchen Sie selbst den Religionsunterricht
oder haben Sie als Schüler den Religionsunterricht besucht?" antworten
79 Prozent mit "Ja". In Westdeutschland liegt diese Zahl bei
90 Prozent. Der Religionsunterricht gehört dort für fast alle
zum biographischen Er-fahrungshorizont. In Ostdeutschland bejahen
die gestellte Frage 35 Prozent wobei sich hier viele Menschen
in der Beantwortung auf die sogenannte Christenlehre beziehen
werden, die von den Kirchen in der ehemaligen DDR ursprünglich
einmal als Ersatz für den schulischen Religionsunterricht konzipiert
wurde.
Die Erfahrungen in der Bevölkerung mit dem Religionsunterricht
sind vielfach sehr positiv. 77 Prozent der Befragten sagen: "Im
Religionsunterricht habe ich Grundkenntnisse im Christentum erworben",
65 Prozent erklären: "Im Religionsunterricht habe ich manches
gelernt, was heute noch für mich wichtig ist" und 61 Prozent
stellen fest: "In den Religionsunterricht bin ich gern gegangen".
Nur 16 Prozent der Befragten meinen: "Der Religionsunterricht
war /ist vertane Zeit".
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