Huber: „Es muss Schluss sein
mit der Multi-Kulti-Schummelei“
Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),
Bischof Wolfgang Huber, hielt bei dem Jahresempfang des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union (EU), Prälat Stephan Reimers, und des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, am 30. November in Brüssel einen Vortrag zu dem Thema "Religionsfreiheit und offene Gesellschaft- ein Prüfstein aktueller Dialoge in Europa." Ein offener und ehrlicher Dialog der Religionen über das jeweilige Verständnis von Menschenrechten und Religionsfreiheit sei angesichts der erschütternden religiös motivierten Gewaltakte der letzten Zeit notwendiger denn je. Das klare Bekenntnis zu den Grund- und Menschenrechten ohne Wenn und Aber bilde die gemeinsame Basis für die Zukunft Europas. Huber forderte ein Gegenmodell zur "Multi-Kulti-Schummelei". Interreligiöser Dialog könne
durchaus bedeuten, in Fairness und Respekt miteinander zu streiten.
Zuvor hatte Bischof Huber an einer Podiumsdiskussion zu dem Thema "Die Bedeutung
des Menschen in der wissensbasierten Gesellschaft" teilgenommen und mit dem
neuen EU-Kommissar für Bildung und Kultur, Jan Figel, und dem Vize-Präsidenten
des Europäischen Parlaments, Ingo Friedrich diskutiert. Anknüpfungspunkt der
Diskussion war das erklärte Ziel der im Jahr 2000 von den europäischen Staats-
und Regierungschefs beschlossenen Lissabon-Strategie, Europa bis zum Jahr 2010
zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Huber kritisierte den zu engen Bildungsbegriff der Lissabon-Strategie, der
lediglich an ökonomischen und funktionalen Interessen ausgerichtet sei. "Ich
bejahe ökonomischen Fortschritt, nicht aber eine Ökonomisierung unsere gesamten
Lebens und Denkens". Um die anstehenden wirtschaftlichen und sozialen Reformen
zu bewältigen, müsse Europa seine Stärken hervorheben. Dabei müsse die kulturelle
Dimension Europas stärker betont werden. Huber plädierte für ein neues Gleichgewicht
zwischen Wirtschaft und Kultur, Ökonomie und Ethik sowie Verfügungs- und Orientierungswissen.
Der
Vortrag im Wortlaut —»
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