17. November 2004
Forderungen
nach Islamunterricht in deutscher Sprache
Als Reaktion
auf die religiösen Spannungen in den Niederlanden haben nach verschiedenen
Agentur-Meldungen Politiker von SPD, Union und Grünen staatlich- kontrollierten
Islam-Unterricht an deutschen Schulen gefordert.
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach sich für eine Ausbildung
muslimischer Geistlicher an deutschen Universitäten aus. Ausserdem solle
an deutschen Schulen islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache eingeführt
werden. Nur so könne dafür gesorgt werden, dass unser Wertesystem von
Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten zur Grundlage dieses Unterrichts
wird.
Der schleswig-holsteinische Innenminister Klaus Buß sagte der «Financial
Times Deutschland»: «Ein aufgeklärter islamischer Religionsunterricht
kann dazu beitragen, dass ein Euro-Islam entsteht, der mittel- bis langfristig
auch auf die Heimatländer wirkt.»
In einem Antrag der Unions-Bundestags-Fraktion mit dem Titel «Politischen
Islamismus bekämpfen - verfassungstreue Muslime unterstützen» wird
u.a. gefordert, dass Islam-Unterricht an den Schulen auf lange Sicht nur noch
Religionslehrer erteilen dürften, die in Deutschland ausgebildet worden
seien. Außerdem solle es keine Ausnahmegenehmigungen für Schüler
zum Besuch islamischer Bildungseinrichtungen geben. «Die Infiltrierung
von in Deutschland lebenden Kindern mit Intoleranz und Überlegenheitsgefühlen
haben in unserer Gesellschaft keinen Platz», heißt es. Der Bundestag
müsse außerdem sicherstellen, dass islamische Bildungseinrichtungen,
deren Tätigkeiten gegen das Grundgesetz verstoßen oder der Völkerverständigung
zuwiderlaufen, verboten werden.
Der Unions-Innenexperte Hartmut Koschyk sagte der «Financial Times Deutschland»: «Zumindest
der islamische Unterricht für Kinder muss unter staatlicher Schulaufsicht
stattfinden. Das wird ein riesiger Kostenfaktor für die Länder, aber
es führt kein Weg daran vorbei.»
Kultusminister Busemann kündigte im niedersächsischen Landtag an, dass
er langfristig an allen staatlichen Schulen islamischen Religions-Unterricht
einführen will. Seit einem Jahr läuft an acht Grundschulen in dem Bundesland
ein Modellversuch mit rund 300 Schülern. Die Resonanz sei positiv, sagte
Busemann. Im Durchschnitt nähmen 80 bis 95 Prozent der muslimischen Schüler
an dem deutschsprachigen Unterricht teil. Das Modell soll jetzt schrittweise
ausgeweitet werden.
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